Ungarnaustausch 2011

 

Genauestens eingepasst zwischen Teilnahme am Maientagsumzug und den anschließenden Pfingstferien verbrachten 14 Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihres Schulleiters Rüdiger Illig zehn wunderschöne Tage im Rahmen der Städtepartnerschaft Nürtingen  - Soroksár, dem 23. Bezirk von Budapest. Seit April 1996 besteht auf dieser Basis eine intensive Schulpartnerschaft zwischen der Neckar-Realschule, Nürtingen und der Páneurópa Schule, Soroksár. Ließen sich im 18. Jahrhundert von Ulm aus mit den sog. Ulmer Schachteln die Donau abwärts fahrend viele sogen. Donauschwaben zum Wiederaufbau des zerstörten Ungarn von Maria Theresia, der österreichischen Kaiserin ins Land gerufen dort nieder, so wurden in Folge des Zweiten Weltkrieges viele Ungarndeutsche wieder vertrieben. Die meisten siedelten nach manchem Leidensweg wieder zurück in die alte Heimat, u.a. nach Nürtingen und Umgebung. Einige wenige Deutsch sprechende Familien blieben in Ungarn zurück.

An der Páneurópa Schule in Soroksár lernen die Kinder neben Ungarisch entweder Englisch oder Deutsch, so dass sich als Austauschsprache in den Gastfamilien, unter den Schülern und in der Schule - allein sechs Lehrerinnen unterrichten Deutsch, viele verstehen diese Sprache –  durchweg ergibt. Was unsere Schüler immer wieder zum Staunen bringt, ist die Ressourcenlage der ungarischen Schule, die die Fremdsprache grundsätzlich nur in geteilter Klassenstärke von jeweils ca. 12 Schülern intensiv unterrichtet.

Gleich am ersten Tag erfolgte nach dem Unterrichtsbesuch der Empfang auf dem Rathaus beim Vizebürgermeister. Danach besichtigten wir die wunderschöne barocke Dorfkirche und den Heldenplatz von Soroksár. Die Schüler waren sehr erstaunt über die vielen deutschen  Namen der Gefallenen in zwei Weltkriegen.

Am nächsten Tag ging es mit der Vorortbahn ins Zentrum von Budapest. Nach Besichtigung des wunderschönen Opernhauses ging es zum Heldenplatz mit dem Milleniumsdenkmal. Danach ging es mit der Untergrundbahn ans Donauufer wo wir uns donauaufwärts bis zur Margareteninsel die Stadtsilhouette an uns vorbei gleiten ließen: Auf der Budaer Seite waren dies der markante Gellértberg, der imposante Burgberg mit dem Burgpalast, der jetzigen Nationalgalerie, die Matthiaskirche, in der “Sissi” zur Königin von Ungarn gekrönt wurde, die märchenschlossartige Fischerbastei und am Hangfuß die beiden Kirchtürme der barocken St. Annen -Kirche, während auf der Pester Seite das riesige schlossartige Parlamentsgebäude dominierte. Ruhiger wurde der heiße Tag dann auf der Margareteninsel bei einem Spaziergang, beim Eis und für fast alle beim Vollbad in einem  riesigen Brunnen zu den Klängen klassischer Musik.

 
Der folgende Tag führte uns mit dem Bus nach Sopron an den Neusiedler See. Hier besichtigten wir die wunderschön erhaltene und gepflegte Altstadt mit Bauresten aus der Römerzeit, dem Mittelalter, dem Barock bis zum Klassizismus. Anschließend ging es zu den historischen Steinbrücken von deren Gipfel wir einen wunderschönen Blick über den südlichen Teil des Neusiedler Sees mit seinen riesigen Naturschutzzonen hatten. 

Den Abschluss bildete ein Abstecher an die Grenzstation des ehemaligen eisernen Vorhanges bei Sopron, die Gedenkstätte des legendären “Paneuropaischen  Picknicks” am 19. August 1989. Diese Stelle gilt als einer der wichtigsten Vorboten des Mauerfalls, öffneten doch damals die Ungarn als Erste die Grenze in den Westen nach Österreich, was sich unter den vielen DDR-Bürgern herumsprach, die in Ungarn campierten. Die ersten DDR-Bürger reisten legal gen Westen aus.  Die nächste Station war im Oktober 1989 über die Prager Botschaft möglich, dann folgte am 11.11.1989 der Fall der Mauer. Für die Schüler waren das Geschichten aus einer völlig anderen Welt, erfuhren sie  doch nur auf der Rückfahrt nach Österreich eine gezielte Ausweiskontrolle nach einem völlig anderen Personenkreis. Ab 01. Mai 2011 gehört Ungarn als Mitglied zu den Staaten der EU, deren Bürger sich in allen EU-Staaten frei an einen Arbeitsplatz bewerben können. Otto von Habsburg, der damalige Europaabgeordnete des Volksfests von der Paneuropa Union wurde dann zum Namensgeber unserer Partnerschule, der Páneurópa Schule.

Am Folgetag lernten dann die Schüler die weltstädtisch-betriebsame zwei Millionen-Metropole Budapest von ihrer grünen Seite kennen:  Ein Ausflug mit den ganzen öffentlichen Verkehrsmitteln: Vorortbahn, Straßenbahn, U-Bahn, Zahnradbahn, Bus führte uns in den Freigehege Zoopark im Wald von Budakesi und seinem Ansichtsturm. Nach einem Spaziergang klang der Nachmittag bei einer lustigen Spazierfahrt durch den Wald mit der Schmalspurbahn aus.

Wiedermal bei den  Schüleraustauschen war einer der Höhepunkte der 2 ½ tägige Aufenthalt im Balatonszéplak. Bei herrlichstem Hochsommerwetter verbrachte die gesamte Gruppe zwei turbulente Nächte im rustikal jugendgemäßen Freizeitheim der Minoritätenverwaltung von Soroksár am Plattensee. Dabei war ausgiebig Zeit zum Baden, Spielen und Spaß haben zwischen den deutschen und den ungarischen Schülern. Von dem Elternehepaar Horváth wurde nicht nur unser Gepäck mit zwei Fahrzeugen transportiert, sondern wir wurden auch bestens von ihnen und der Leitung des Heims verpflegt. Von dort aus führte uns eine Busfahrt nach Herend, der mittlerweile größten Porzellanmanufaktur Europas, von der Qualität und vom Preis her vergleichbar mit Meißen in Sachsen und Sèvres in Frankreich. Sehr beeindruckend für die Schüler war die Führung durch die Schauwerkstätten, die äußerst anschaulich vor Augen führte, welche Arbeitstechniken bei der Porzellanherstellung und -verarbeitung sowie der Bemalung praktiziert werden, welch eine hohe fachliche Qualifikation erforderlich und wie zeitaufwendig diese reine Handarbeit ist. Der Besuch der nahe gelegenen Burg Nagyvázsony bildete dann den romantisch-schaurigen Abschluss dieses Tages.

Schade, empfanden viele Schülerinnen und Schüler, dass der herrliche Austausch nach so kurzer Zeit schon wieder zu Ende ging. Dank der sehr abwechslungsreichen Gestaltung des Programms durch unsere langjährige Begleiterin, der Lehrerin Magdalena Wagner, dem warmherzigen Empfang in der Schule und ganz besonders in den Gastfamilien ging die Zeit im Fluge vorbei, so dass beim Abschied nur als Trost blieb, dass man sich im Mai 2012 wieder in Nürtingen trifft. 
 

 

 

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